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Ant carrying a lead weight

Kurzfassung: Wie stark sind Waldameisen wirklich?

In einem Beitrag der Abi-Zeitung 1999 der Tilemannschule fand sich u.a. ein Hinweis auf die Leistungsfähigkeit von Ameisen in Bezug auf ihr Tragevermögen. Die Behauptung, Ameisen tragen das 30-fache ihres eigenen Körpergewichtes, erschien uns etwas utopisch. Das war der Anlass für uns, diese Werte, die auch in der Fachliteratur nicht eindeutig belegt sind, für unsere heimischen Waldameisenarten zu überprüfen bzw. näher zu ermitteln.

Zu diesem Zweck führten wir nach dem Unterricht an mehreren Nachmittagen Freilandbeobachtungen an verschiedenen Waldameisenhügeln in den Revieren Hadamar, Runkel und Löhnberg durch. Beim Beobachten des Transportverhaltens stellten wir schnell fest, dass wir zwischen »freiem Tragen«, »freiem Hochziehen« und »Schleppen« differenzieren mussten.

Viele Materialien, die von den Ameisen am Nesthügel transportiert worden sind, vor allem besonders schwer erscheinende, haben wir in handelsüblichen Filmdöschen samt Trägerin eingesammelt und katalogisiert. Anschließend wurden diese Proben auf der Analysenwaage in der naturwissenschaftlichen Sammlung der Tilemannschule auf 0,1 mg genau gewogen.

Diese Freilandbeobachtungen überprüften wir unter Laborbedingungen in einem Formikarium, wobei die Ameisen gezwungen waren, das Baumaterial über ein 10 cm hohes Brett, das als Hindernis diente, zu transportieren. Trotz Materialknappheit wurden die angebotenen, besonders schweren Materialien für den Nestbau gemieden bzw. nicht benutzt und damit auch nicht transportiert.

Angeregt durch ähnliche Versuche in der Literatur, bei denen den Ameisen kleine Platingewichte aufgeklebt wurden, versuchten wir die maximale Tragfähigkeit unserer Ameisen herauszufinden. Für dieses Vorhaben gossen wir uns verschiedene Bleigewichte und erstellten eine Gewichtsreihe von 30 mg bis 430 mg. Die Arbeiterinnen, denen mit leicht angetrocknetem Nagellack das jeweilige Testgewicht auf den Rücken geklebt wurde, ließen wir auf einer angefeuchteten Unterlage aus Raufaserpapier eine Teststrecke von 10 cm zurücklegen.

Bei den Freilandbeobachtungen kamen wir zu dem Ergebnis, dass eine Waldameisenarbeiterin das 9,7-fache ihres eigenen Körpergewichtes frei mit den Mandibeln tragen konnte, ohne dass die Last den Boden berührte. Beim »Schleppen« ergab sich ein Maximalwert vom 17,7-fachen des Körpergewichtes; »frei hochgezogen« wurde das 7,2-fache des Körpergewichtes. Bei den Laboruntersuchungen konnte für das Schleppen einer Last ein Wert vom 18,5-fachen des Körpergewichtes bestätigt werden, für das freie Hochziehen ermittelten wir eine Last vom 12,2-fachen Körpergewicht, während das freie Tragen im Formikarium bei weitem nicht die Freilandwerte erreichte.

Bei unseren Belastungsversuchen stellte sich heraus, dass die Ameisen das 30- bis 40-fache ihres Körpergewichtes auf unserer Teststrecke trugen. Mit dem Grenzgewicht von 352,9 mg testeten wir mehrere Arbeiterinnen, wobei aber nicht alle diese Last tragen konnten. Diejenigen, die das Gewicht transportieren konnten, wiesen zum Teil erhebliche Unterschiede im Körpergewicht auf. Der »Star« war eine Ameise mit dem geringen Körpergewicht von nur 8,9 mg, die somit das 39,7-fache ihres Körpergewichtes tragen konnte.